Freie Wähler im Gespräch über Möglichkeiten der Inklusion in Schulen und in der Wirtschaft Landkreis Passau. Eine Aktionsgruppe von Menschen mit Behinderung, die sich innerhalb der Freien Wähler gegründet hat, machte sich auf den Weg in den Bayerischen Landtag. Ziel war, mit dem Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt und den Abgeordneten Susann Enders, Benno Zierer und Christian Lindinger über die Themen Inklusion in der Schule und am Arbeitsplatz zu sprechen. In München vertreten waren von der Aktionsgruppe die gehbehinderten Stephan Weindler und Martin Blasi sowie Katharina und Elisabeth Lindinger, die beide kleinwüchsig sind. Stephan Weindler, Gründer der Aktionsgruppe, erklärt: „In unserer Gruppe hat der Großteil seit Geburt eine körperliche Behinderung. Wir stehen dennoch alle voll im Berufsleben und wollen unsere Erfahrungen zum Thema Inklusion im Bildungsbereich, dem Beruf und im Alltag aus erster Hand in die Politik einbringen.“ Ziel der Gruppe sei, Inklusion und Integration kritisch zu hinterfragen und politische Konzepte auf ihre Praxistauglichkeit hin zu prüfen. MdL Benno Zierer sieht in diesem Ansatz einen großen Gewinn. „Wir in der Politik tun uns leichter, uns für das Thema Inklusion einzusetzen und Gesetze zu verabschieden, wenn die Betroffenen selbst auf uns zukommen und ihre Wünsche und Erfahrungen einbringen“, so Benno Zierer. Dies sei besonders dann der Fall, wenn man sich innerhalb der politischen Arena für ein Anliegen einsetzt. Susann Enders, Generalsekretärin der Freie Wähler Landtagsfraktion, weist diesbezüglich auf Initiativen der EU-Ebene hin, welche die Rolle der Förderschulen und der Werkstätten für Behinderte schwächen würden. Ziel dieser EU-Initiativen wäre es, Menschen mit Behinderung statt in den Förderschulen oder den Werkstätten in Regelschulen und in den Regelarbeitsmarkt zu integrieren. Elisabeth Lindinger sieht darin eine zweischneidige Entwicklung. Einerseits sollte zwar so weit wie möglich Inklusion ermöglicht werden. Dies müsse aber laut Elisabeth Lindinger stets im Einzelfall geprüft werden. Die Notwendigkeit für mehr Inklusion sollte eben nicht in einen Inklusionszwang führen. Vielmehr müssen die Strukturen sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Behinderten orientieren. Insofern seien die Förderschulen und die Behindertenwerkstätten in ihrer Struktur durchaus zu erhalten. Christian Lindinger verwies darauf, dass man in Stadt und Landkreis Passau in Pocking und in Passau jeweils eine Behindertenwerkstätte habe und diese bei nötigen Beschaffungen auch von Gemeinden und Unternehmen kontaktiert werden können, um entsprechende Produkte herzustellen. Weiteres großes Thema war die Inklusion von Menschen mit Behinderung im ersten Arbeitsmarkt. Stephan Weindler betonte, knapp 10 Prozent der Gesamtbevölkerung habe den Status eines Schwerbehinderten. Da sei es wichtig, dass es Förderprogramme und Vorgaben von Seiten des Staates gebe, die Arbeitgeber dazu veranlassen, schwerbehinderte Menschen einzustellen. Hier sei der Fokus nicht nur auf körperliche Behinderungen, sondern auch auf psychische Beeinträchtigungen zu legen, so Susann Enders. Langfristig sei es besonders wichtig, dass eine Sensibilisierung der Allgemeinbevölkerung schon im Kindesalter stattfinde. Es müsse für uns alle zur Normalität gehören, mit behinderten Menschen in Kontakt zu kommen und dabei zu lernen, dass im Einzelfall sehr viel Potential in den Menschen stecke. Man müsse auch die Firmen und Behörden in die Pflicht nehmen, sich verstärkt für Menschen mit Behinderung zu öffnen, so Staatssekretär Tobias Gotthardt. Bildunterschrift (v.l.): MdL Benno Zierer, Katharina Lindinger, MdL Christian Lindinger, Katharina Lindinger, Martin Blasi, Stephan Weindler, Franziska Gigl (Kultusministerium), Staatssekretär Tobias Gotthardt und Generalsekretärin Susann Enders.